Die Fashionwelt von gestern und heute: Zwischen Haute Couture und Fast Fashion
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Haute Couture und Fast Fashion – Zwei Segmente der Modewelt, die sich gegenüberstehen und genau mit gegenteiligen Eigenschaften für ihre Kunden werben.

Während Haute Couture seit der Belle Époque exklusiv, teuer und individuell ist, steht Fast Fashion seit den 1980ern für Massenproduktion, günstige Preise und Austauschbarkeit. Beide Extreme zeigen, welche Veränderungen das Kleiden in der modernen Gesellschaft erfahren hat.

Die Belle Époque: Zeit der Wandlung in Europa

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, auch bekannt als die Belle Époque, ist eine faszinierende Zeitspanne, in der Europa tiefgreifende kulturelle Veränderungen erlebte, die bis heute ein Teil unserer Gesellschaft sind.

Von Unterhaltung bis zu Mode, das Konsumverhalten veränderte sich. Kunst, Luxus und Abwendung von traditionellen Lebensweisen waren nun die neuen Schlagwörter der Ära.

Besonders Menschen aus den höheren gesellschaftlichen Schichten nahmen sich nun Zeit, die schönen Seiten des Lebens zu genießen.

Für die Ferien- und Freizeitgestaltung entschied sich die High Society für abgelegene Ortschaften, die Spaß und Kultur gleichermaßen anboten, wie zum Beispiel die populäre Spielbank Monte Carlo in Monaco, die von François Blanc eröffnet wurde.

Feines Essen wurde ein wichtiger Teil des geselligen Beisammenseins. Dafür überschritt die Haute Cuisine Frankreichs königliche Mauern und verbreitete sich in den Städten Europas.

Ähnliches galt auf für die Kunst. Galerien sprossen wie Pilze aus dem Boden und boten nicht nur dem Adel, sondern auch der gutverdienenden Mittelschicht Zugang zu Kunstwerken. Die Epoche der Wandlung führte auch ein neues Bewusstsein für Kleidungsmode ein.

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Haute Couture: Exklusive Mode aus Paris

Charles Frederick Worth gilt als der Gründervater der Haut Couture. Er eröffnete das erste Modehaus in Paris und kreierte aus feinen Stoffen bald die Abendgarderobe der europäische High Society.

Die nach Maß angefertigten Kreationen des Modeschöpfers dominierte die damalige Fashionwelt, weshalb weder erfolgreiche Künstlerinnen noch Königinnen aus ganz Europa den langen Weg bis nach Paris scheuten.

Einige Jahrzehnte später wurde die französische Hauptstadt das Zentrum der gehobenen Schneiderei. Kunden aus ganz Europa strömten nach Paris, um sich durch individuell angefertigte Kleidung die eigene Persönlichkeit und den gesellschaftlichen Status zu unterstreichen.

Der Begriff „Haute Couture“ ist in Frankreich heute juristisch geschützt. Eine Kammer im Zuständigkeitsbereich des Kulturministeriums entscheidet unter strengen Vorlagen, welche Labels ihre Kreationen mit dem Begriff Haute Couture ausstatten dürfen.

Die Exklusivität verwandelt Haute Couture zum Luxusgut. Kaum ein Ottonormalverbraucher kann sich ein Kleidungsstück der gehobenen Schneiderei leisten. Die Mehrzahl der Bevölkerung wendet sich deshalb der günstigen Fast Fashion zu.

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Fast Fashion: günstig und massentauglich

Haute Couture war lange Zeit der Richtungsangeber in Sachen Kleidungsmode, wenn auch für viele Konsumenten preislich nicht tragbar.

Doch die steigende Nachfrage, der technische Fortschritt und die zunehmende Globalisierung kurbelte die Massenproduktion an. Modische Kleidung verwandelte sich in den 80ern stetig zu einer günstigen Konsumware, die bei Wunsch beliebig ersetzt werden konnte.

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Seit den 2000ern hat dieser Trend neue Höhen erreicht. Zahlreiche Labels wie H&MZara und Bershka versprechen günstige Kleidung, die durch den ständigen Sortimentswechsel ihre Kunden zum Einkauf anlocken.

Die Frage der Qualität und Nachhaltigkeit ist nicht mehr im Vordergrund, da bereits in der nächsten Saison neue Produkte „in“ sind. Folglich wird hier die eigene Persönlichkeit nicht mehr durch die Exklusivität der Kreationen unterstrichen, sondern durch die eigene Kreativität bei der Kombination von Farben, Stoffen und Accessoires.

Der Spagat zwischen Haute Couture und Fast Fashion

Dennoch kann Mode von heute nicht auf diese beide Extremen beschränkt werden. Der Vielfältigkeit sind keine Grenzen gesetzt.

Eine breite Auswahl an Modelabels schafft erfolgreich den Spagat zwischen Haute Couture und Fast Fashion. Marc Jacobs oder Calvin Klein erfüllen nicht die hohen Kriterien der gehobenen Schneiderei, aber versprechen den Kunden dennoch qualitativ hochwertige Produkte mit Markenwert.

Wer auf eine umweltfreundliche und faire Produktion achtet, kann auf die Produkte des Labels Ekin oder Armedangels setzten. Zudem gibt es einige deutsche Kleidungshersteller, die eine hundertprozentige regionale Produktion versprechen. Darunter zählen die Marken Manomama und Trigema.

Die Belle Époque führte die Rolle der Kleidung als Statussymbol und persönliche Ausdrucksweise in allen Schichten der Gesellschaft ein. Die gehobene Schneiderei dieser Zeit kleidete jedoch nur die europäische High Society.

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Erst durch stetige Fortschritte in der Produktion und sinkende Preise wurden Kleider in allen Schichten der Gesellschaft als ein Symbol der Individualität getragen. Die steigende Nachfrage führte schließlich zu der Entstehung der heutigen Fast Fashion, die den Markt für die Kleidungsproduktion dominiert.

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