Kork kommt in Mode: Vegane Alternative zu Leder

Wer sich für vegane oder nachhaltige Mode interessiert, der wird in der letzten Zeit schon häufiger auf Produkte aus Kork gestoßen sein. Vor allem Taschen, Portemonnaies und Gürtel werden aus dem nachwachsenden Naturmaterial hergestellt, aber nicht nur. Es gibt auch schon Kleidung und Schuhe aus Kork, denn die Rinde aus Korkeichen lässt sich wie Leder verarbeiten.

Erste Modeprodukte aus Kork von Pelcor

Eine Vorreiterin in der Verarbeitung von Kork für Modeartikel ist wohl die Portugiesin Sandra Correia, die 2011 mit dem Preis „Europas beste Unternehmerin“ ausgezeichnet wurde. Ihre Geschäftsidee entstand mehr aus der Not heraus, denn Correia stammt aus dem wirtschaftlich armen Süden von Portugal, wo viele Menschen ausschließlich von der Korkproduktion leben.

Auch Correias Familie ist im Korkgeschäft tätig. Doch 2001 entpuppte sich als schlechtes Champagnerjahr heraus, die Kellereien bestellten deutlich weniger Korken als in den Jahren zuvor. Um nicht auf dem Kork sitzen zu bleiben, erfand sie mit ihrem Vater etwas Neues, was bisher mit Kork noch nicht produziert wurde. Und so gestaltete sie einen Regenschirm aus Korkeiche, der ein großer Erfolg wurde.

Mit ihrer Firma „Pelcor“ stellt sie nun schon seit Jahren Handtaschen, Geldbörsen und Accessoires aus Kork her. In zwei Läden in Portugal und in ihrem Online-Shop verkauft Correira sehr erfolgreich ihre Korkprodukte.

Wer nun an Korkverschlüsse oder an Kork als Boden- oder Dämmmaterial denkt, wird sich wahrscheinlich wundern, wie aus diesem kräftigen Material elegante Taschen und sogar Kleidungsstücke hergestellt werden können. Doch für solche Artikel wird Kork zu ganz dünnen Schichten geschnitten und auf ein Trägermaterial aufgebracht, meist ein Textilgemisch aus Baumwolle und Synthetik. Dann erst lässt es sich so wie Leder verarbeiten.

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Kork: Nachhaltig, leicht, umweltfreundlich und wasserundurchlässig

Kork weist für die Eco-Mode viele positive Eigenschaften auf. Einmal ist es pflegeleicht, hält sehr lange, ist leicht im Gewicht, wasserundurchlässig, strapazierfähig und verblasst in seiner Farbe nicht. Außerdem wächst es immer wieder nach, sodass keine Ressourcen geschädigt werden.

Kork verströmt doch eher einen biederen, langweiligen Charme, gerade wenn man nur an die klassischen Einsatzgebiete wie Flaschenverschluss, Pinnwand, Bodenbelag oder Wandverkleidung denkt. Doch die Taschen, Geldbörsen, Gürtel, Jacken und Schuhe überzeugen wirklich in ihrer Verarbeitung und ihrer modischen Gestaltung. Da Kork sich sehr gut einfärben lässt, gibt es ihn nicht nur in seiner natürlichen Farbe, sondern auch in Rot, Schwarz, Grün und anderen Einfärbungen.

Portugal größter Korkproduzent

Der bedeutendste Korkproduzent der Welt ist Portugal. Dort wachsen die Korkeichen, aus deren nachwachsender Rinde im Laufe des Baumlebens die Korkrinde bis zu 16mal geerntet wird. Regelmäßig geschälte oder entrindete Bäume sollen große Mengen an CO2 binden, was ebenfalls ein interessanter ökologischer Aspekt ist.

Auch deutsche Eco-Labels verwenden Kork

Aber nicht nur vor Ort in Portugal wird Kork für Modeartikel eingesetzt, auch deutsche Eco-Labels haben das „vegane Leder“ für sich entdeckt.

So hat das vegane Streetwear-Label bleed im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne eine vegane Korkjacke im Stil einer Leder-Bikerjacke entwickelt und auf den Markt gebracht. Bleed selbst bezeichnet Kork als das „Leder des 21. Jahrhunderts“, frei von Tierquälerei, giftigen Substanzen und ohne Ausbeutung von Menschen und Natur.

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Im Gegensatz zu Kunstleder, das aus synthetischen Fasern, die nicht biologisch abbaubar sind, ist Kork deutlich robuster und ein echtes Naturprodukt. Durch den vermehrten Einsatz von Kork in der Modeindustrie erkennen auch die portugiesischen Korkbauern eine Perspektive für den Erhalt ihrer Korkbiotope. In diesen einzigartigen und erhaltenswerten Naturlebensräumen haben bis zu 13.000 Pflanzenarten und bis zu 2.500 Tiergattungen ihr Zuhause.

Ebenfalls auf Kork setzt die junge Modedesignerin Rike Henties, die in ihrem Lüneburger Atelier nicht nur Taschen, Etuis und Rucksäcke, sondern auch Oberbekleidung aus Kork, wie Tops, Jacken und Mäntel anfertigt.

Wer sich die Bekleidung aus Kork noch nicht so richtig vorstellen kann, sollte sich das folgende Video anschauen, in dem Rike Henties ihre Entwürfe präsentiert.

Für Kreative: Korkmaterial online kaufen

Wer lieber seine eigene Korktasche oder eine andere Kreation aus Kork nähen will, der findet mittlerweile online eine ansprechende Auswahl von Kork, und zwar auf www.stoffe-hemmers.de. In dem Online-Shop gibt es Kork einmal in Naturfarbe, aber auch in Rot, Schwarz, Weinrot, Vanille, Cremeweiß, Natur/Silber, Mint, Braun, Blau/Silber und auch gestreift und in kleinem Karomuster.

Die Platten sind 70 x 50 cm groß, 1 mm dick und das Trägermaterial besteht aus Baumwolle, Polyester und Polyurethan. Sie können von Hand und auch mit der Nähmaschine genäht werden. Zu den Korkstoffen bietet Stoffe Hemmers ein Bastelbuch „Nähen mit Kork“ an.

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Korkmode online entdecken

Noch wird Kork hauptsächlich für Taschen und Accessoires verwendet, Kleidung findet sich eher selten. Da muss sich wohl in den Köpfen der Verbraucher/innen noch etwas bewegen, bevor Kork auch als Oberbekleidung seinen Weg in die Konfektionsmode findet.

Für mich war die Beschäftigung mit diesem hochinteressanten Thema sehr aufschlussreich und spannend. Auch ich wusste nichts von Korkjacken und -mäntel; Taschen, Geldbeutel und Rucksäcke waren mich genauso wenig geläufig.

Aber ich muss gestehen: Mir gefallen die Produkte und einen bunten Korkshopper werde ich mir mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit demnächst anschaffen.

Im Internet finden sich viele Quellen und Online-Shops zu Korktaschen und anderen Modeprodukten. Ich habe eine kleine Auswahl an Links zusammengestellt: