Modetrend Menocore

Wallender Rock, eine luftige Leinenbluse, flache Sandalen und ein auffälliger Hut, alles in unaufgeregten Erdtönen gehalten: Bei einem solchen Look denken die meisten wohl zuerst an pensionierte Lehrerinnen, Bibliothekarinnen oder die freundliche ältere Dame von nebenan.

Doch wie so oft täuscht ein solches Denken in Klischees, denn der sogenannte Menocore Look, der Modestil der Frauen 50+, hat den Sprung in die Welt der Generation Y geschafft. Die Zwanzig- bis Dreißigjährigen, die auf Entschleunigung und Yoga, veganes Essen und Carsharing setzen, haben den Kleidungsstil ihrer Elterngeneration für sich entdeckt und setzen damit ein echtes Statement.

Modische Zeitreise

Auf den ersten Blick ist es wirklich paradox: Gerade unter den Stars und Sternchen finden sich auffällig viele Frauen, die sich von ihrer Jugend trotz fortgeschrittenen Alters nicht so richtig trennen möchten.

Um genauer zu sein: vom Aussehen ihrer Jugend. Hier und da wird geliftet und aufgespritzt, Workouts für straffe Körper feiern Hochkonjunktur und auch in Sachen Mode unterscheiden sich diese Frauen nur selten von ihren Töchtern: Knappe Outfits und figurbetonte Looks zählen ebenso zu ihrer Garderobe wie Shape Wear und grelles Make-Up.

Während sich also einige Vertreterinnen der Generation 50+ im Kleiderschrank der sogenannten Millennials bedienen, setzen diese auf den Modestil der Elterngeneration. Nachdem sich junge Mädchen in den vergangenen Jahren bereits die Haare grau gefärbt hatten, hat nun auch die Mode der Best Ager Einzug in den Lebensalltag von Studentinnen und Social Media Fans erhalten.

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Statt auf Skinny Jeans, Crop Tops, High-Heels und Push-Ups setzen viele junge Menschen heute auf wallende Kleidungsstücke in gedeckten Farben (sand, khaki, weiß, blassgrau), extravagante Hüte und edle Materialien wie Kaschmir, Leinen oder Biobaumwolle.

Viel Haut zeigen? Fehlanzeige. Statt auf extrovertierte Looks und Selbstdarstellung setzen die Anhänger des Menocore Modetrend auf gemütliche Outfits, die in erster Linie ihnen selbst gefallen sollen.

Statt die weibliche Silhouette in den Mittelpunkt ihres Looks zu rücken, machen es sich die Twens heute lieber in locker geschnittenen Klamotten bequem und zeigen damit: Ich stehe zu mir und meinem Aussehen. Ganz gleich, was ihr davon haltet.

Menocore Outfit kombinieren

Wie genau man den Menocore Trend nachstylt, lässt sich nur schwer verallgemeinern. Die Devise lautet: Hauptsache, es ist bequem und gefällt einem selbst!

Weite Leinen- oder Stoffhosen (z. B. bequeme Damenhosen von MAC Jeans), Maxiröcke, fließende Blusen oder Tuniken und bequeme Schuhe eignen sich daher wunderbar für ein Menocore Outfit.

Was die Accessoires angeht, sind wie schon erwähnt Hüte ein modisches Detail. Beim Schmuck darf man sich gerne in der Kommode der eigenen (Groß-)Mutter bedienen und zu Perlenketten und -ohrringen, Armreifen oder Haarbändern greifen.

Handtaschen im Vintage-Look geben dem Outfit das gewisse Etwas. In Sachen Make-Up und Frisur steht Gemütlichkeit ebenfalls im Mittelpunkt des Interesses: Ein Messy Bun, (graue) Haare im Undone-Look ebenso wie ein leichtes Nude-Make-Up harmonieren wunderbar mit dem Menocore Look.

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Auch cool: Ungeschminkte Augen und knallrote Lippen. Wer den Menocore Look um ein echtes „Granny-Accessoire“ erweitern will, kann zu einer großen runden Hornbrille (gerne auch ohne Sehstärke) greifen.

Viele Menocore-Outfits finden Sie auf Pinterest unter diesem Link.

Mehr Mut zur eigenen Person

Betrachtet man den Menocore Trend im Licht des aktuellen Diskurses, dann lässt er sich als weiteren Schritt der Bodypositivity-Bewegung begreifen. Statt die eigenen Makel immer zu kaschieren, sich selbst zu optimieren und vor allem auch zu inszenieren, wird der Fokus wieder mehr auf die natürliche Schönheit eines jeden Menschen gelenkt.

Statt auf aufreizende Outfits und nackte Haut zu setzen, wollen die jungen Frauen von heute mit ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit überzeugen. Damit setzen sie ein Zeichen gegen Bodyshaming und Objektivierung von Frauen.

In diesem Sinne dürfen die ewig Junggebliebenen der Generation 50+ gerne etwas von ihren Töchtern lernen: Schließlich ist es wirklich Zeit, endlich erwachsen zu werden.

(Bildquelle Artikelanfang: © melanjurga #177281993/Fotolia.com)